Reizvolle Ferienwohnung im Centovalli... Hintergründe der Entstehung.

Was benötigt die Innenwelt – was die Aussenwelt? Mit dieser Fragestellung machten wir – Reinhard und Brigitte Külling – uns im Jahre 2005 auf den Weg in's Centovalli.

Wir hatten unser „Wechsel-Alter " erreicht, was wir als „Neuanfang" interpretierten.
Unsere drei Kinder waren erwachsen und eigenständig, die Berufung als Mutter und Hausfrau verlangte für Brigitte nach Veränderung. Bei mir zeigten sich Ermüdungserscheinungen nach einer langjährigen Tätigkeit im Sozialbereich. Am herkömmlichen Ort waren keine Veränderungs- oder Entwicklungsmöglichkeiten auszumachen – deutliche Signale also für eine grundlegende Kursänderung. Doch wie sollten wir Kräfte dafür mobilisieren, wenn sie sonst schon darniederlagen? Ich sah keine andere Möglichkeit, als meine Stelle zu kündigen – ohne jegliche Gewissheiten für die Zukunft.

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Wir konnten uns nicht einfach in „neue Jobs" stürzen. Wir wollten unsere Zügel selber in die Hände nehmen. Ich ergriff die Chance, Dinge zu tun, die ich schon lange einmal tun wollte. Darf man das, so fragten wir uns: Sich an einen entfernten Ort begeben, eine Zeit lang einmal nichts tun, stundenlang dem offenen Feuer lauschen und den eigenen Puls fühlen? Tief durchatmen auf ausgedehnten Wanderungen? Der Hektik und Gewohnheit des Alltags den Rücken kehren, um seine persönlichen Visionen aufzuspüren? Eine Wintersaison lang in einer SAC Hütte als Co-Hüttenwart verbringen und dadurch finanziell ins Schwimmen geraten? In herkömmlichen Wirtschaftsbetrieben als Schreiner wirken? Ein Praktikum beim Ofenbauer machen? Spezielle Selbsterfahrungen erleben im Umgang mit der Einschränkung von Nahrung? Und schliesslich den Schritt in die Selbständigkeit wagen? Die reichhaltigen Erlebnisse gaben uns die Antwort: Ja, man darf – oder soll sogar!

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Hinter uns lagen die Erfahrungen meiner Frau als Religions- und Handarbeitslehrerin, meine eigenen als Schreiner, Werklehrer und Kunsttherapeut und die gemeinsamen als engagierte Eltern von eigenen und Pflege-Kindern an Steinerschulen. Hinzu kamen die neuen Erfahrungen, so dass sich ein reicher Erfahrungsschatz bildete für das still heranreifende neue Projekt: Portapila.

Wir erkannten, dass auch wir „Kinder der Zeit" waren und dass wir nicht allein waren mit unseren Sinnfragen.

Aus solchen Einsichten heraus erwuchs immer stärker das Bedürfnis, auch für andere Menschen einen Raum des persönlichen „Ankommens" zu schaffen, den man als Ausgangsort für Wanderungen zu sich selbst und in die Natur nutzen konnte – einen Ort der (Wieder-)Entdeckung seines kreativen Potenzials, eine Insel, die einem das „Eins-Sein" mit der Natur ermöglichte.

Im Tessiner Ort Pila, oberhalb Intragna und nahe Locarno, fanden wir einen kleinen Weiler, der sich zur Realisation unserer Vision eignete. Ruhig, autofrei, ganzjährig besonnt, mitten in der Natur und doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.

Die Gebäudehülle besteht aus einer über zweihundertjährigen Bausubstanz, welche wir behutsam zu drei Wohnungen umgestalteten und mit einem Atelier-Neubau ergänzten. Glücklicherweise konnten wir ein angrenzendes Grundstück mit einem Freiluftatelier erwerben, auf dem unsere Bienenvölker einen festen Wohnsitz gefunden haben.

So freuen wir uns, nach insgesamt siebenjähriger Vorbereitungs-, Reife- und Ausführungszeit unseren Gästen ganzjährig zwei Wohnungen mit je drei bis fünf Betten, ein Textil- und Web-Atelier sowie ein Freiluftatelier in einem grossen Garten mit zahlreichen „Seins-Plätzen" zur Verfügung stellen zu können – und dies inmitten der kräftigen Tessiner Natur. Ein Schwerpunkt unseres Hauses ist, dass wir je nach individueller Gegebenheit und entsprechendem Bedarf unsere Begleitung in den Ateliers oder in Form einer Teilnahme an unserer Tagesstruktur anbieten. Wir verzichten bewusst auf ein vorgegebenes „Programm", denn wir gehen davon aus, dass dieses nur aus dem individuellen, jeweiligen „Jetzt" entwickelt werden kann. Bis jetzt haben sich beispielsweise von unserem Angebot angesprochen gefühlt:

  • Menschen, die einfach einmal „weg" wollten
  • Menschen, die ihre Ferien hier verbrachten und sich am grossen Garten und dem breiten Wanderwegnetz ab Haustür freuten
  • Manager oder Studenten, die sich ungestört auf ihre Arbeit konzentrierten, auch in kleineren Teams in Vollpension
  • Menschen, die ihre Ferien mit Weben oder Steinhauen bereicherten und daran selbständig arbeiteten oder individuell begleitet wurden
  • Menschen, die in Rekonvaleszenz waren, nicht in eine Klinik passten, sich zu Hause überfordert fühlten und unsere Handreichungen schätzten
  • Menschen im Umbruch, die gemeinsam mit uns ihre individuelle Tagesstruktur entwickelten und unsere begleitende Präsenz schätzten

Sie alle waren in der Lage, in eigenen Räumen zu leben unter Rücksichtnahme auf andere Gäste am Ort. In der Regel verpflegten sie sich eigenständig. Auf eigenen Wunsch nahmen sie teilweise an der Zubereitung der Mahlzeiten teil oder liessen sich diese von uns zubereiten.

Wer soll das bezahlen? PORTAPILA.ch basiert auf privater Trägerschaft, die sich auch ausschliesslich so finanziert. Standbein ist die von mir als Einzelfirma betriebene UMFORM.ch. Beide Zweige arbeiten jeweils partnerschaftlich mit anderen Unternehmungen zusammen.

Es ist für uns nicht selbstverständlich, dass die Freie Gemeinschaftsbank die Bereitschaft aufbrachte, uns und den Ort persönlich kennen zu lernen, um uns wohlwollend, vermittelnd und unterstützend durch die ganzen Prozesse zu begleiten. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz herzlich dafür bedanken!

Reinhard und Brigitte Külling